Was haben wild wachsende Trüffeln mit Trüffelanbau zu tun? 

Von der höchsten Produktivität natürlicher Stellen zur höchsten Produktivität von Trüffelanlagen 

Gute Trüffelstellen weisen den Weg zum Trüffelanbau Warum ist das hier ein guter Trüffelstandort (Kategorie I) und was kennzeichnet ihn?

Wann eigentlich ist ein Trüffelstandort eine gute Trüffelstelle?

In der Vergangenheit war und in der Gegenwart entspricht das noch immer allein der subjektiven Bewertung des Trüffelsuchers. Derartige Einschätzungen können nie objektiv sein, denn sie sind abhängig u.a. davon, wieviel Stellen der Sucher überhaupt in seinem Leben schon gesehen hat, bzw. womit er vergleichen kann und nach welchen Grundsätzen seine Beurteilung erfolgt. Anzahl? Größe? Gewicht? Zeitraum? Reifegrad? Schaut man sich in den sozialen Medien um, fällt auf, dass manch eine Stelle als gut bezeichnet wird, weil der Hund 3, 5 oder 10 Trüffeln angezeigt hat. Das Urteilsvermögen verschiebt sich für jeden der irgendwann seine zehnte, zwanzigste oder fünfzigste Stelle gefunden hat. Völlig anders bewerten diejenigen, welche 500, 1000 oder wie ich mehrere tausend Stellen gesehen haben. Aber auch dann ist das Urteil bezüglich der Produktivität einer Trüffelfundstelle noch immer subjektiv. Nicht messbar und nicht vergleichbar.

 

Um den naturnahen Trüffelanbau noch weiter zu verbessern, benötigen wir objektive Daten: gemessen, gewogen und abgezählt innerhalb einer gewissen Zeit auf einem begrenzten Areal. Zur immer besseren Bewertung haben wir unser ab 2015 verwendetes (siehe: https://www.trüffelanbau.eu/trüffel-poster ) Ermittlungssystem in unzähligen Fortbildungsveranstaltungen ständig weiterentwickelt. So erheben wir auf definierten Untersuchungsflächen von 100 m² (z.B. 10 x 10 m, 5x20 m oder entsprechend eines Kreises mit 5,644 m Radius) die zur Beurteilung erforderlichen Daten über mehrere Jahre hinweg. In einem seit 2020 laufenden neuen Projekt mit Schwerpunkt in Thüringen geht es außerdem darum, immer mehr Fundstellen in ganz Deutschland nachzuweisen, um diese dann im Laufe von mehreren Jahren hinsichtlich der Produktivität genauer einzuschätzen. 

Trüffelanbau: Von der Natur zur Kultur Trüffelstandorte - wie hier Kategorie II - mit vielen Details aufnehmen und interpretieren - Grundlagenforschung für den Trüffelanbau

Worauf kommt es überhaupt beim Trüffelanbau an und wie kann ich das alles aus den verschiedenen Trüffelstandorten herauslesen? 

Wir haben inzwischen aufgrund der bereits seit März 2011 erhobenen Daten die
Produktivität von Trüffelfundstellen in sieben verschiedene Kategorien einteilen können und diese mit der Produktivität von Trüffelplantagen in verschiedenen Trüffelländern in Beziehung gebracht.

So entspricht eine Fundstelle (Trüffelstandort) wild wachsender Trüffel dann der


Kategorie VI, wenn hier zwischen 1 und 100 g/100m²/ Jahr Trüffeln im Jahresmittel von mindestens drei Jahren nachgewiesen wurden. 100 g Trüffeln sind immerhin fünf bis zehn Fruchtkörper mit einem Gewicht beispielsweise von 10 – 20 g/Stück und insgesamt bis zu 10 kg hochgerechnet auf 1 Hektar (ha) im Jahr. Immerhin. In diese Kategorie sind etwa 90% der französischen Plantagen einzuordnen.

Fazit: Mal ehrlich, können solche mickerigen Plantagen wirklich Vorbild für den Trüffelanbau in Deutschland sein? Vergleichen wir mit Abstufungen im Sport ist das mal gerde 
Kreisklasseniveau.  

Kategorie   V repräsentiert die nächste Klasse in unserem Wertesystem mit etwa 101 bis 300 g/100m² pro Jahr. Das entspricht einem Ertrag von etwa 10 bis 30 kg/ha Ertrag. Der bekannte französische Trüffellehrer Pierre Sourzat bezeichnete jüngst in einer französischen Fachzeitschrift eine Plantage mit 25 kg/Ertrag pro Jahr bereits als gut. Muss man da nicht am Können des "Trainers" zweifeln? 

 

Fazit: Das wäre immerhin Bezirksklassennveau. Aber, ist Ihr persönlicher Anspruch nicht höher?  Kann eine derartige Trüffelstelle in freier Natur schon Vorbild für uns sein? Darf eine solche Plantage egal ob Italien oder Frankreich die  Blaupause für eine Trüffelplantage bei uns sein? Einige "Experten" in der deutschen Trüffelbaumschulszene kommen genau über diese Niveau nicht hinaus. 

 

 Kategorie  IV mit etwa 301-500 g/100m² sind wir in dem Bereich, der auf den Hektar hochgerechnet 30-50kg Ertrag verspricht. In Frankreich gilt sowas als sehr gute Plantage. Bei einer Rundreise von Trüffelexperten aus aller Welt im Frühjahr 2013 nach dem Trüffelkongreß in Teruel/Spanien wurde uns eine solche sehr gute Plantage mit 40 kg Ertrag/ha/Jahr im Perigord stolz vorgestellt.

Fazit: Wir sind mit dieser Produktivität in der
Bezirksliga angekommen. In Australien inspizierte ich ein Jahr später weitaus jüngere Plantagen, die dieses Ergebnis schon nach 9-10 Jahren erreicht oder gar überschritten hatten.  

Eine gute Trüffelplantage in Frankreich Im März 2013 besichtigten wirr diese Plantage - Ernteertrag etwa 40 kg/ha im Perigord in Frankreich

Kategorie  III  Mit 501–1.000 g/100m² kommen wir in den Bereich, der den Trüffelanbau lukrativ macht, denn das entspricht auf eine künstliche Anlage übertragen zwischen 50-100 kg/ha. Diese Produktivität erreichen nur sehr wenige Spitzenplantagen in Frankreich oder Italien, aber gute Plantagen in Navarra, Aragon und Katalonien in Spanien bzw. Australien. 90 % der spanischen Produktion, so schätzt die Industrie- und Handelskammer in Teruel die Lage ein, werden von Franzosen aufgekauft. 
 

Fazit: Das ist schon Landeliganiveau. Um das zu erreichen muss man eine Menge Pilzwissen haben, sich ordentlich um seine Anlage kümmern und vieles richtig machen.   
 

Kategorie II  1001 – 3000g/100m² in freier Natur entsprechen demnach 100 – 300 kg/ha auf einer Plantage. Trüffelanlagen mit dieser Produktivität gibt es vereinzelt in Neuseeland, auf wenigen australischen, einigen spanischen und sehr rar  auf französischen (lt. C. Robin) Plantagen. Natürliche Vorkommen dieser Kategorie und damit Vorbilder für einen „naturnahen“ Trüffelanbau fanden wir in Niedersachsen, Nordrhein Westfalen, Rheinland Pfalz, Bayern und Thüringen. Sogar innerorts. Zusätzlich recherchierten wir mit Mitgliedern der FGH mehrfach natürliche Vorkommen dieser schon erstrebenswerten Liga im europäischen Ausland.

 

Fazit: Wir sind hier in der Regionalliga bzw. 2. Bundesliga angekommen. Also bei den Profis im wahrsten Sinn des Wortes. Um solche Produktivität im Anbau zu erreichen sind nicht Belange der Forstwirtschaft oder Überlegungen der Landwirtschaft zu beachten, sondern Grundprinzipien der Pilzwirtschaft. Genau  solche oder noch bessere Trüffelstandorte sind Vorbilder für den naturnahen Nachbau. Hier ist die FGH immer wieder dran, um der Natur weitere Geheimnisse zu entlocken.  

Trüffelplntage mit einem Ertrag von 200 kg im Jahr 2017 Die markierten Trüffeln werden erst bei Reife geerntet - Ernteertrag in 2017 rund 200 kg/ha

Kategorie I     Sagenhafte 3001 - 5000g/100m³ im Jahr, also stolze 300 – 500 kg/ha fanden wir bislang nur auf einigen ausgewählten australischer Plantagen und an  mehreren natürlichen Standorten in verschiedenen Bundesländern in Deutschland. Genug, um sie immer besser zu charakterisieren. Die erfreuliche Entwicklung der Produktion einiger, noch junger, naturnaher Trüffelbiotope von Angehörigen der FGH in Thüringen lassen hoffen, dieses hohe Ziel ebenfalls in ein paar Jahren geschafft zu haben.  


Kategorie exzellent: Unglaubliche > 5001g/100m², also mehr als eine halbe (!) Tonne Ertrag pro ha konnte bislang nur eine 20-jährige Spitzenplantage in „down under“ vorweisen und von uns analysiert werden. In Deutschland erforschten wir von 2015 bis 2018 einen so beschaffenen natürlichen Trüffelstandort. Die wichtigsten Erkenntnisse daraus flossen im Lehrfilm über Trüffelanbau ein und sind teilweise hier  auf www.trüffelschule.de veröffentlicht. Die nicht veröffentlichten Details zur Auswahl, Erstellung und Steuerung einer derartigen, naturnahen Trüffelanlage sind nur einigen Mitgliedern der FGH bekannt.